6 October 2013

Mit ohne

Das sind die neuen Partymomente. Beim Halten des ersten Biers erzählt einer, dass er einen veganen Monat einlegen und sein Essverhalten ändern will. Beim zweiten Bier – ich zähle mit – bin ich mitten in der Diskussion über das beste Sport-App, während ich mir das dritte Bier hole, höre ich wie Laufzeiten abgeglichen werden und Männer die Diät entdecken.

Das angepeilte vierte Bier wird durch Wasser ersetzt. Sonntag ist auch ein Arbeitstag. Beim Öffnen des Kühlschranks lächelt mich die Fußball-Nationalmannschaft von einem Sixpack »Bitburger 0,0« an. Daneben ein Aufstrich von »Zwergenwiese«. Das Entscheidende ist hier nicht die Sorte, sondern eine weiß unterlegte Liste, die nach dem Hinweis »frei von« folgt. Tür zu.

Am Ende wird die Lust auf eine Zigarette bleiben. Ihr wird nicht nachgegangen. Der Exzess wird vertagt.

»Frei von...« Dieses Credo des Nichtvorhandenen findet nicht nur in der Bioecke statt, sondern gehört zum Standardrepertoire der Verpackungskennzeichnung. So will auf die mit Grün unterlegte Präposition »ohne« kaum einer verzichten - schon gar nicht nachdem »Bio« seine Wirkung verloren hat und die Skepsis gegenüber der Lebensmittelindustrie wächst.

Ohne Konservierungsstoffe

Ohne (künstliche) Farbstoffe

Ohne Geschmacksverstärker

Ohne Gentechnik

Ohne Zusatzstoffe

»Ohne« – ein Mantra mit dem Ziel eines gesünderen, besseren, optimiertem Lebens? Verwehrt man sich – so denkt man – dem steten »Ohne« bleibt die Hingabe an das Ungesunde, der Gesundheit abträgliche, an das nicht Leistungsfördernde immerhin »anständig« und »geregelt« – gepaart mit einem schlechten Gewissen.

Zuflucht bietet die Sünde als Stil, frei von einer biologisch-medizinischen Perspektive, wenn das Halten einer Zigarette wie das erste Zeichen eines inneren Monologs wirkt und nach der Pose keine Diagnose folgt.

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