15 January 2012

"Und dann kann man vielleicht auch aufhören"

Es wird gesagt, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das gilt vielleicht als Idee, oder für eine gewisse Anzahl von Momenten. Für junge Bands beinhaltet ein Anfang jedoch Zeitlosigkeit als eine Form von Zeitmanagement, die Dominanz der linken Seite des Kontos im Gegensatz zur rechten, gepaart mit langen Fahrten, unnötigen Strafzetteln, geteilten Zimmern und Leben, sowie manchmal schlechtem Bier. Die Düsseldorfer Elektroband Susanne Blech hat den vermeintlichen Zauber des Anfangs erlebt und die gravierenden Schrecken bisher überlebt. Denn trotz aller Auflösungsversuche erscheint das zweite Album "Triumph der Maschine". Ein Interview über des Live-spielen-müssen als Erfolgskonzept, das zudem den Beweis liefert, dass bei jedem Anfang vor allem eins dominiert: das Ende. Es spricht der Sänger Timon Karl Kaleyta - wie immer im Stakkato.

20 December 2011

"Wie der glatte Raum"

Man sagt, dass der spezifische Moment des Reisens die Neugier auf Neues und die Erfahrung der Fremde ist – des Anderen. Man sagt, dass diese grundlegende Erfahrung heutzutage suspendiert wird. Denn gibt es noch den unbeschriebenen Raum? In dem Gespräch mit Vincent Schmidt steht die Suche nach Ländern im Vordergrund, "wo es noch relevante Erfahrungen zu machen gibt und die politisch brisant bis stürmisch sind." In Ost-Timor, Somaliland, Irakisch-Kurdistan oder Pakistan? Ausgangspunkt für diese und andere Bewegungen waren Erlebnisse während einer 'Weltreise'. Ein Augenblick der hiesigen Abwesenheit, der später zum Kennenlernen geführt hat und bezeichnend für ihn wurde.

29 November 2011

"Gott ist gleich 13"

Diskutiert wurde viel. Über Wissenschaft. Über Form. Ausgelöst durch das mangelnde Wissen über wissenschaftliche Arbeitstechniken, oder durch den bewussten Einsatz jenes Zitierens als Ritual innerhalb der Doktorarbeiten deutscher Spitzenpolitiker. Das minder überraschende Fazit auf diesen Skandal: Intertextualität ist in der so genannten Wissenschaft unerwünscht und Roman ist ein Wort, das für viele Textgattungen gilt. Doch ebenso wie die Einhaltung der Form einen Text als wissenschaftlich auszeichnet, ist es zugleich ihr Gegenstand – sinn- und wahrheitsstiftend. Nicht unbedingt. Zum Glück. Ein kurzes Gespräch über Alan Sokal und Paul Wittgenstein mit Tilman Mühlenberg, vermeintlicher Kulturwissenschaftler, Pilger, Musiker und Gründer des Instituts für Zeitgenossenschaft. Das Gespräch beruht auf einer Begegnung, die Mitte August in der Düsseldorfer Altstadt stattfand – wo sonst.

7 October 2011

"Mir tun Sammler eher leid"

Der Akt des Bogenspannens ist stets mit viel Antrengung verbunden, dennoch umfasst das erste Interview mit Ingo Niermann Vergangenheit, Gegenwart und natürlich die Zukunft. Die Diskussion eines spezifischen Themas ist hier der notwendigen Überleitung in einen neuen Abschnitt Minusvisionen gewichen. Danach kommen in monatlich erscheinenden Gesprächen andere zu Wort, die hier noch nicht zu lesen waren.

10 June 2011

Zwischenspiel/Nachtrag: Das Ende des Konsums

Pieter Hugo ist groß, kräftig und sieht aus wie ein Rugby-Spieler, der gerne große Biere trinkt. Man mag ihn.

Pieter Hugo ist unter anderem auch ein Südafrikaner. Weiß - ein immer noch entscheidendes Differenzierungsmerkmal. Pieter Hugo ist aber auch Fotograf. Und in dieser Funktion wurde Hugo Mitte Januar 2011 zu einem Vortrag in das Museum Folkwang in Essen geladen.

Hugo überraschte im ruhigen, vollbesetzten Gartensaal des Museums nicht nur durch seine Rugbyspielerhaftigkeit, sein leichtes Nuscheln - gepaart mit einem sympathischen doch unverständlichen südafrikanischen Akzent-, sondern insbesondere mit seinem Blick auf Afrika - seinen Blick auf die Peripherie.

Im Mittelpunkt stand insbesondere seine neue Serie mit dem Titel "Permanent Error". Es handelt sich dabei um Aufnahmen aus Ghana, die Mensch und Tier auf dunklen Boden und inmitten weißer Rauchwolken zeigen.

Der Rauch steht über dem "Agbogbloshie Market", wo Elektroschrott verbrannt wird und gefährliche Dämpfe entstehen. Vergiftungsgefahr 100 Prozent. Hugos Interesse liegt neben den brennenden "Scheiterhaufen 2.0" auf den Menschen, die dort arbeiten und versuchen Kupfer oder Aluminium freizulegen; auf den Tieren, die angezogen von den Dämpfen dort hinkommen und bleiben. Junkies.

Die Bilder gewähren dem Betrachter - nennen wir ihn jetzt mahnend Verbraucher - einen distanzierten, kühlen Blick auf das Ende des Konsums. Das Grauen in Portraitform. Denn heutzutage bedarf es dazu keiner Kolonialmächte, keiner ethnischen Konflikte, am Reißbrett gezogener Grenzverläufe, sondern ausgesonderter Bildschirme und Rechner, die von Firmen nicht als Elektroschrott, sondern als Handelsware deklariert und nach Indien, China und Westafrika exportiert werden.

Das Buch zum Zustand ist seit Februar 2011 im Handel.

23 December 2010

The Future of Art

Die Kunst hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen nie dagewesenen Boom erlebt. Seit dem Einsetzen der Weltfinanzkrise ist es damit vorbei. Die bisherigen Erfolgsmodelle stehen auf dem Prüfstand. An diesem Punkt trifft Ingo Niermann den Künstler Erik Niedling und erzählt ihm von seiner Idee, Künstler zu werden und den Gral der modernen Kunst zu finden. Gemeinsam begeben sie sich auf große Reise, um namhafte Künstler, mächtige Galeristen, Großsammler und Museumsdirektoren zu treffen. Sie sollen erklären, wie der Kunstbetrieb funktioniert und was man tun muss, um als Künstler erfolgreich zu sein. Im Verlauf des Films entwickelt Ingo Niermann die Idee für ein epochales Kunstwerk.

Mit: Marina Abramovic, Thomas Bayrle, Olaf Breuning, Lady Jaye and Genesis Breyer P. Orridge, Olafur Eliasson, Harald Falckenberg, Boris Groys, Damien Hirst, Gregor Jansen, Terence Koh, Gabriel Loebell, Marcos Lutyens, Philomene Magers, Antje Majewski, Hans Ulrich Obrist, Thomas Olbricht, Friedrich Petzel und Tobias Rehberger.

Regie: Erik Niedling & Ingo Niermann
Idee: Ingo Niermann
Produktion: Erik Niedling
Kamera: Christian Görmer
Schnitt: David Adlhoch
Musik: Katrin Vellrath
Farbkorrektur: Maik Bluhm
Tonmischung: Frithjof Rödel

Dokumenation, 157 min., HD, 2010
Jetzt komplett online auf 3min.de.

Im Frühjahr 2011 erscheint bei Sternberg Press "The Future of Art. A Manual" (Buch/DVD - englisch) mit Langfassungen der Interviews sowie einer Fortsetzung im Thüringer Wald.

15 October 2010

Don’t judge a Book by its Cover or Mustache!

Ein Werk in einem roten, signalfarbenen Schutzumschlag ist auf Deutschlands Buchmarkt eingeschlagen. Boom!

Ein Buch, eine Farbe, ein Zustand!

Denn gemäß den Kaufzahlen ist zu vermuten, dass die Farbe Rot den gleichen Kaufreiz ausgelöst hat, wie es die Frischeabteilung am Eingang eines Supermarktes vermag, oder das Wort „Neu“ auf einem Produkt.

Das Buch - also - ein Schlager, dessen Hitgarantie das Symptom markiert! Es wird gesungen, gelallt, auch ohne Englischkenntnisse.

Obwohl das jeder weiß, wurde eine Lesedebatte entfacht.

Frank Schirrmacher schrieb: „Es ist sechshundertfünfzigtausend Mal verkauft worden, und es wird wahrscheinlich vor Weihnachten die Eineinhalbmillionenmarke erreichen. Bei einem Buch, das verliehen und weitergegeben wird, heißt diese Zahl, dass es dann von an die zwölf Millionen Menschen gelesen worden sein kann. Es hat Vergleichbares noch niemals gegeben.“

„Gelesen worden sein kann“.

Der Kauf eines Buches bedingt nicht das Lesen - sei es nach einem Tag, einer Woche, nach einem erfüllten Leben. Oftmals hat die Existenz eines Exemplars die Funktion eines Stellvertreters. Doch in dieser Funktion ist es kein Verweis auf ein Problem oder eine Idee, sondern erinnert an die liebevolle, detailreich, multimedial geführte Rede über die Farbe eines Buches.

Doch - oh je - woher soll man denn nun das Wissen nehmen, ob ein Buch gelesen wurde?

Knicke, Wölbung des Buchrückens, eine leichte Verschiebung des Buchdeckels, Hautfett an den Seiten, Kaffeeflecke, Essensreste, Unterstreichungen, Bleistiftnotizen, das helle Aufleuchten eines Textmarkers, die Abwesenheit des ursprünglichen Geruchs durch häufiges Öffnen und Durchblättern

Leider - ja leider - kann dieser Used-Look wie bei einer Jeans künstlich herbeigeführt werden.

Hilft letztendlich nur der Lektüretest, wie zu Beginn eines Seminars? Sollte eine Ausgabe von Königs Erläuterungen synchron veröffentlicht, ein Eintrag im Kindler gefordert, oder der Verlauf der Debatte im üblichen Schema eines Dramas offen gelegt werden?

Die Lösung liegt wie immer im Bluff: „Sie müssen mindestens drei Kapitel des Buches gelesen haben, um diese Seite zu besuchen. Bitte kreuzen Sie „JA“ oder „NEIN“ in dem Kontrollfeld an.“ Funktioniert in ähnlicher Form auf YouPorn auch.

12-Jährige können nicht irren.

3 October 2010

Thomas Demand at its best?

Auch wenn auf diesem 'Pressefoto' 'Menschen' zu sehen sind, wirkt es so echt wie eine Miniatur des Hobbybastlers Demand. Der Geruch von Klebstoff űberall. Und ein wenig Blut am Finger.