26 June 2013

Tasse von Gewicht

Beim Minusvisionen-Umzug verloren gegangen, jetzt wiedergefunden:

Rumänien, Ukraine, die Türkei und China sind Staaten mit unterschiedlichen geographischen und politischen Angaben. Grenzüberschreitend verbindet sie die Herstellung eines Typs Tasse, ein massenhaft angefertigtes Produkt, das sich meistens durch folgendes auszeichnet: Standard.

Dass dieser Standard variiert, zeigte sich neulich in einer Neuköllner Wohnung, als Gastgeber (nennen wir ihn Singer) und Besucherin – kurz zuvor noch gebannt auf die Form des Zuckerstreuers starrend – ihren Kaffee aus augenscheinlich identischen, aber dennoch von einander abweichenden Tassen von Ikea getrunken haben. Die Unterschiede betrafen Gewicht, Gradation und Qualität der Lasur. Mit einem geübten Blick auf den Boden der Tasse, wurden die Unterschiede auf das Herstellungsland zurückgeführt. Gemäß der Küchenwaage, sofern wir sie benutzt hätten, wäre die Tasse aus China am schwersten und jene aus der Türkei am leichtesten gewesen.

Zurück zu Hause stellte ich fest, dass meine Tassen, die ich mir vor ein paar Jahren gekauft habe, aus Rumänien stammten, dass letztendlich mein ganzes Geschirr aus Rumänien stammte und der Qualitätsvergleich an dieser Stelle abgebrochen werden musste.

Kurz nach dieser Enttäuschung blickte ich auf die orangefarbene Gießkanne, jene, 2002 für 2,90 Euro erworben, jene, bei der die Wahl der Farbe bis heute ungeklärt ist, jene, die heute, so der Berliner Gastgeber, nur noch 1,90 Euro kostet (2013 sind es nur noch 99 Cent) und sich nicht mehr wie 2,90 Euro anfasst: etwas weicher, schlaffer, aber dafür in der Form, je nach Füllung, variabel.

Und darauf kommt es doch letztendlich immer an: Variabilität, Distinktion, Identität, auch wenn es bei solchen Produkten überrascht, und es gelegentlich betrübt, weil man sich über das schlecht geklebte Furnier ärgert, wenn zwei Schränke der gleichen Linie, aber aus unterschiedlichen Herstellungsländern nebeneinander stehen. Von Uniformität konnte nicht mehr die Rede sein. Schade eigentlich, hatten wir doch so lange darauf hingearbeitet.

No comments:

Post a comment

Note: only a member of this blog may post a comment.