14 February 2017

Das Bad

David Hockney hat das Duschen sexy gemacht. Das habe ich mal gelernt. Denn auf seinen Gemälden aus den Sechzigern ist das Duschen kein bloßer Akt der schnöden Körperreinigung mehr, der in einer kalten Waschkaue erfolgt, sondern ein Wohlfühlakt, etwas, das wie das Baden mit Genuss verbunden ist. Doch neben der verstärkt anhaltenden Huldigung der Körperarbeit im Zeichen der ewigen Schönheit und Jugend schwanken die zeitgenössischen Duscher mittlerweile täglich zwischen phallischer, mega potenter Energieversprechung am Morgen und radikalem Entspannungszauber am Abend – und das alles mittels eines Duschgels. Zweckfreier Hockney'scher Wohlfühlspaß? Genuss? Lust? Ach, keine Zeit.

Doch jedes absolut lebensverändernde Marketingversprechen ist chancenlos, wenn ein verfrühtes Aufstehen, drei Kaffee und eine ausgelesene Zeitung benötigt werden, um den Gang ins Bad geistig vorzubereiten, das vor fünfzig, sechzig (?) Jahren eine großzügig gestaltete Vorratskammer gewesen zu sein scheint, in die dann, damals, als die Trendfliesenfarbe braun war, ein Bad auf zwei Quadratmetern hineingewürfelt wurde (mit Wanne) und im Winter die 30 mal 60 Zentimeter große Heizung nicht gegen zwei Außenwände aus Klinkerstein ankommt. Für Aufmunterung sorgt in diesen schweren Zeiten lediglich der Duschvorhang, auf dem mir kleine Monster täglich entgegenwinken. Der Badaufenthalt wird mit effizienten Handlungen so kurz wie möglich gehalten, auch wenn an besonders kalten Tagen der Durchlauferhitzer beim Duschen dekadent auf Stufe zwei gestellt wird und kurzzeitig eine Minisauna entsteht.

Ich billige die Umstände mit dem Gedanken an die günstige Miete, und dass das Verfügen über ein warmes, zeitgenössisch gestaltetes Bad nun wirklich etwas für Spießer ist. Zudem gibt es fließend Wasser, alles funktioniert und das Bad könnte hervorragend als Panic Room fungieren, als eine noch unbekannte Installation des Künstlers Gregor Schneider angepriesen werden, und nicht zuletzt wird die angenehme Kühle im Sommer geschätzt. Jedoch komme auch ich an die Grenzen meiner Überzeugungskunst. Meistens dann, wenn das soziale Leben es verlangt, Freunde zu besuchen. Bei denen ist immer alles besser – auch das Bad. Also lasse ich mich von der Wirkung geschmackvoller Fliesen einlullen, klimpere mit den Fingern verliebt über den Handtuchheizkörper und erschrecke manchmal auch über meine warmen Füße. Ist das eine Fußbodenheizung? Benommen setze ich mich auf den Badewannenrand und verhindere somit das Unmögliche: das Herumwälzen auf dem warmen Boden. Das könnte nur zu Fragen führen.

In solchen Fällen gilt es: standhaft bleiben, das fremde Bad mit erhobenen Hauptes verlassen, die Tür leise schließen und sich nicht umdrehen. Das gut ausgeleuchtete Spiegelbild muss sofort vergessen werden. Keine Tränen. (Bis zum nächsten Mal. Kisses.) Daraufhin schnell das Gespräch mit den anderen Gästen suchen: über Kultur, Politik, das nächste Projekt, den Job; fragen, was die Kinder so machen. Denn: bloß keine Gewöhnung. Bloß keine Träume. Ich bin stark und Winter nur eine Jahreszeit, die vorrübergeht. Nicht wahr? Denn auf gar keinen Fall darf das eigene Bad saniert werden. Dieser Wunsch muss verhindert werden. Denn das Erfüllen würde bedeuten, dass der Vermieter nach Jahren der Ignoranz – die Rauchmelder wurden gerade noch just in time angeklebt, das Licht im Flur nach einem halben Jahr repariert – mit seinem Maserati vorfährt, die Gürtelschnalle nach dem Ausstieg noch schnell zurechtrückt und sich beim Anblick von zwei im Entstehen begriffenen Neubauten mit Eigentumswohnungen im Umfeld seiner Immobilie fragen wird, ob er ebenfalls in den Trend mit einsteigen soll.

11 February 2017

In der Rating-Hölle

"Ökonomie ist die Methode, Ziel ist es aber, die Seele zu verändern". Der Satz trifft mich, irgendwann Ende Dezember, irgendwo vor Hamburg (vielleicht Schnee), während der als unangenehm empfundene Winkel von Sitz und Lehne im Intercity den Druck auf meine Bandscheiben erhöht. Ich setze eine dünne Bleistiftklammer, während neben mir ein Mann unter seinem Yacht-Magazin erschlafft. Der Bleistiftakt setzte beim Lesen des Gesprächs zwischen Wendy Brown und Isabelle Graw bereits vor dem Margaret-Thatcher-Zitat immer dann ein, wenn das eigene Gefühl in den Worten der anderen bestätigt wurde. "Investiere dich!", lautet der Titel des Textes, der, einer 3D-Animation gleich, im Kopf rotiert: "Investiere dich!"

Ich bin gewiss: Das Subjekt ist sein bestes Werkzeug und alles, was es macht, denkt und fühlt, wird ausschließlich zu Wertsteigerung seiner Selbst eingesetzt: Ausbildung, Beruf, Netzwerke, Beziehungen, Freizeit, Sport schaffen eine finanzialisierte Biografie, die zudem kommuniziert werden muss. Denn "[d]as professionalisierte Selbstmarketing hat es in den inneren Zirkel der Kernkompetenz geschafft", weiß Georg Franck. Auch das noch.

Mit Blick auf meine eigenes ökonomisiertes Leben stelle ich fest, dass ich selbst ein ziemlich schlecht arbeitender Spekulant bin. Kein Bel Ami. Doch unabhängig davon: Zielt dieses Investment überhaupt auf etwas ab, ist es nicht bereits zum Selbstzweck geworden, weil gar kein Endziel vorhanden ist? Das Auf-der-Stelle-treten wird lediglich mit einer Schrottoption (das bessere Leben, von dem alle reden) ausgeschmückt, die nie gezogen werden soll.

Doch der Spekulant ist zwar meistens Dilettant, aber dennoch gereizt vom Unvorhersehbaren: dem optimierten Persönlichkeits-Rating, das was bringt (etwas, von dem alle reden werden). Ein Update. Daher bleibt es im schlimmsten Fall bei der 168-Stunden-Woche (alles inklusive) für alle. In Kauf genommen wird das Fehlen von Zeit und Raum für Fragen, soziales und politisches Engagement, Solidarität, Kaffee und Kuchen, Liebe, Lesen, Schlaf, Musik, Zweifel et cetera, et cetera ... Man einigt sich darauf, Müßiggang, Selbstreflexion, Sabbat, Gammeln sowie Therapien, À-la-carte-Sucht und die ausgebuchten Fight Clubs zu dulden wie die Matrix Neo.

Doch was, wenn das Nicht-Spekulieren, der Ausstieg und die Verweigerung, das simple "Ich kann/will nicht mehr" nicht mit Verachtung und Angst garniert werden? Es wären die Möglichkeiten eines Neins!

5 February 2017

Die Retoure

Wenn man es doch schafft, ein Projekt abzuschließen, nach Jahren der selbst gewählten Folter, dramatisch gesprochen, obwohl man es doch als Genuss empfindet, das Arbeiten an etwas, das Können, das Wollen, das Dürfen, sich die Zeit dafür zu stehlen, und damit das Ziel eigentlich schon erreicht sein sollte, dann folgt darauf gelegentlich ein Vertragsabschluss. Auch wenn es sich, wie in meinem Fall, um eine Dissertation handelt, die, in, ja, ich muss es so sagen, streng limitierter Auflage erscheint und die Druckkosten selbst zu tragen sind – zusammengekratzt, immerhin unblutig.

Wenn wir jetzt annehmen, dass jeglicher Vertragsabschluss, nein, bereits das Lesendürfen eines Vertrags, einem Erfolg gleichkommt, da der Graben zwischen dem Ich und Welt etwas enger wird, so bilde ich mir ein, wird dieses Gefühl leider sofort wieder gedämpft. Grund hierfür ist der Absatz "Verramschung, Makulierung". Vom steten Zweifel abgehärtet, daher beruhigt, stelle ich fest, dass ich für mein Druckerzeugnis bei keinem verkauften Exemplar – und bei Rücknahme meinerseits (Ramschpreis, Versandkosten) – nur ein paar Regelböden* freiräumen müsste. Glaube ich. Hoffe ich. Strenge Limitation sei dank.

Kaum auszudenken, ich hätte in den letzten Jahren eine Band gegründet und hätte überzeugt und sehr stark auf physische Tonträger gesetzt. Natürlich keine Kleinstauflage, sondern 500, nein 1000, nein 2000 Stück, plus zusätzlichem Fanpaket (man hat's ja, woher auch immer) für die fiktiven, aber bestimmt kauffreudigen Fans – denn es war alles so gut und so gewollt, auch wenn nicht drängend genug, oder gerade eben zu drängend. Klar.

Wenn sich dann plötzlich ein Vertrieb bei mir melden würde, würde ich wahrscheinlich nicht mehr auf die Stückzahl achten, sondern nur noch auf das im Anschreiben vermerkte Gewicht. Was dann?

Da ist er wieder: Der Graben zwischen dem Ich und der Welt.

Würde ich alles in den feuchten Keller stellen und mich im Vergessen üben, da ich bereits aus Trotz am zweiten Album arbeite (diesmal nur Kassette)? Würde ich alles säuberlich in der Wohnung aufbahren – die Wände entlang. Würde ich alles heimlich in einem Studio verstecken wollen, irgendwo bei den alten Verstärkern und schwarzen Molton darauf legen (die Leichendecke). Würde ich Freunde fragen, ob sie für ihre Retouren schon Lagerraum angemietet haben? Würde ich auf die Deponie fahren? In die Wüste fliegen (Vergleich Atari)? Und was passiert mit dem Merchandise. Warum wollte bloß keiner diese blauen T-Shirts, die im Ankauf so günstig waren? (Weil wahrscheinlich nur die Kids auf dem Cover zu Washing Machine von Sonic Youth blaue T-Shirts tragen.)

Und wie wäre das Gefühl, wenn die Lieferung kommt und sich darin die falsche Platte befände, da der Vertrieb selbst nur den vollgestopfen Lagerraum freischaufeln lässt?

Was, wenn mein/ein Leben davon abhängt, da es doch kein Hobby war?

Wie klingen eigentlich Todesmelodien?

*(Die Regalböden bestehen aus Pressspan. Daher: Das Camp-Konzept. Ästhetik, Popkultur, Queerness ist ab diesem Frühjahr sicherlich irgendwo zu haben.)

1 February 2017

Verspätete editorische Notiz

Man schreibt dann doch weiter, auch wenn Zeit und Leser fehlen: kleine Kommentare, Glossen, literarische Miniaturen. Im Idealfall wöchentlich. (Das klappt nicht immer.)

31 January 2017

Der Trick

Rihanna oder Beyoncé oder Lady Gaga: Auf der Bühne tragen sie ein Kopf-Mikro, die In-Ears funkeln. Sie haben einen konzentrierten Blick und einen festen Stand. Am Körper: Ein enger Body, die Gliedmaßen umhüllt nichts störendes, Muskeln, Sehnen, gut gesetzte Make-up-Akzente, vielleicht ist Schweiß auszumachen.

Ihre Bilder stehen im Gegensatz zu jenen (Männern), die es mit locker sitzender Kleidung, einem ruhigen Blick, Lässigkeit und herablassenden Cool gerade noch schaffen, das Klinkenkabel in den Verstärker zu stecken, während Bier statt Wasser auf der Bühne verteilt wird.

Die 'Pop-Arbeiterinnen' trinken kein Bier. Sie narkotisieren nicht. Sie investieren. Muss wohl, wie Jens Balzer in Pop. Ein Panorama der Gegenwart schreibt: "Dass sie nicht singen und nicht komponieren können und keine Bühnenpräsenz haben, schadet ihrem Erfolg mitnichten. Wichtiger ist die Effizienz, mit der sie den universellen Mangel* verwalten: Bei ihren Konzerten kann man lernen, wie weit man heute kommen kann, ohne ein 'Ich' zu besitzen."

Doch warum "Ich", wenn sowieso kein Subjekt* im Pop erwartet wird und eine Marke genügt, geschaffen und erhalten durch ein Ensemble, dessen Arbeit auf den 'Star' metaphorisch übergeht und ihn gleichzeitig von dieser erhöht, gar dazu nütze ist, von der Arbeit zu befreien? "Arbeitsverweigende[r] Minimalismus", wie es zu Rihanna heißt. Der unterstellte 'Mangel' führt zu Gewinn.

Der hautenge Body des weiblichen Pop-Kapitals ist keiner. Es ist ein lustig bedruckter, langärmliger Einteiler, der zum hemmungslosen Gammeln einlädt, auch hier ist Bewegungsfreiheit oberstes Gebot, versteckt hinter einer – bildlich gesprochen – zur reinen Form werdenden Busby-Berkeley-Choreografie oder einer, aus ewig leichten Beinen bestehenden, choros line. (Hach, in einem Technicolor-Musical müsste man sich verstecken können.)

Der Body ist also ein Trick, Work Bitch ein geheimer Code der Verweigerung, der erkannt werden muss, indem er sich weiter aufbläht, sich selbst überhöht oder – vereinfacht – am Männerkörper parodiert wird.**

Nachtrag: * bzw. Authentizität; ** funktioniert besonders gut nach Nervenzusammenbrüchen, Gewichtszunahmen, Drogenmissbrauch, missglückten Schönheits-OPs, beruflichem Scheitern.

22 January 2017

Stumpf ist Trumpf

"Stimmt wahrscheinlich alles", überlege ich, hörender- und wippenderweise, affektiv, in das Kommetarfeld zur digitalen Bemusterung von Lieder ohne Leiden zu tippen. Ich halte mich zurück. Bloß nicht zu euphorisch werden, obwohl bereits die Präsentation der ersten Single Eigentumswohnung von Christiane Rösinger zu einem sofortistischen "Ja, ja, ja" geführt hätte, auch wenn die Überlegung einsetzte, wie toll das denn wäre, dieses Wohnen ohne Angst auf Kosten der anderen, um nicht in folgenden Wettbewerb miteintreten zu müssen: "Ich wohne auf 37 Quadratmetern", sagt sie. "Ich auf 32", sagt er. Passender Romantitel dazu: Kabuff revisited.

Doch nun zum Eigentlichen: Sie singt auch über das Lob der stumpfen Arbeit. Nach einem kurzen innerlichen Widerstand gegen dieses Lob, eine Phase von 3:48 Minuten, die gefüllt ist mit den üblichen Vorurteilen gegenüber der dominierenden zeitlichen Arbeits- und Freizeittaktung, der Redundanz der Tätigkeit, der Optimierung der Abläufe mit anschließender Erlebnissucht, setzt beim zweiten Hören und Zuhören ein zustimmendes, äußeres Nicken ein. "Der Fluch dieser Tage ist die kreative Plage [...] Den Markt bedienen, ohne was zu verdienen [...] Sich selbst ausbeuten, und das auch noch mit Freuden [...] Nach all den Jahren ist es so weit, ich sing das Lob der stumpfen Arbeit."

Der biografische Abgleich ist selbstredend: erfolgreich. Benutzt, beschämt, verzweifelt, sitzt man da und hört zu, im antrainierten Überlebensmodus: ich bin unerschöpflich. Daher fällt das Resümee zunächst zugunsten der "stumpfen Arbeit" aus, weil damit wohl eine Tätigkeit einhergeht, die sich dem Kreativitätskomplex und ihrer neoliberalen Verzahnung entzieht. Ausstieg durch Gewöhnlichkeit. Stumpf ist Trumpf.

Doch was, wenn die "stumpfe" Tätigkeit nicht nur ausgleichendes Hobby bleibt, das man sich leisten kann? Der Trendwunsch geht daher nicht zum Ausmalbuch, sondern zu einem - oder irgendeinem - Teilzeitjob, um somit den kreativen und ökonomischen Dauerdruck für 20 oder 30 Stunden in der Woche vom Cortex zu nehmen. Doch wenn die Chance dazu überhaupt besteht, dann ist die erarbeitete Freizeit schnell wieder gefüllt: weil das Geld oft nicht reicht und/oder weil das verinnerlichte Selbstverwirklichungs- und Kreatvititätsdispositiv zur Umschreibung der eigenen Biografie zwingt. Dann, wenn’s sein muss (ja, es muss sein) gerne ohne Rechnung. "Denn draußen ist alles da, auch wenn es niemand bezahlt hat" (eine andere Band).

"It’s a trap".

14 January 2017

Die Matratze

Angelika Taschen hatte im Gespräch mit Dagmar von Taube recht: "Man schläft heute besser vor einer nackten Wand", rät die Verlegerin, bevor sie beiläufig zur scharfen Kulturdiagnose ansetzt: "Schlaf ist das neue Gold!". Denn Schlafort und der Schlaf selbst sind die neue Insel der Rettung, das Luxusressort des Alltags. Neben dem Kassenschlager "Boxspringbett" sind vor allem Matratzen begehrte Insignien.

Der Höhenflug des ominösen Boxspringbettes scheint jedoch vorbei, denn mit einem Preis ab 250 Euro strudelt der Sog der Verramschung. Das Kokettieren mit dem Erwerb eines solchen ist, wenn, dann nur noch aus weiter Ferne im epischen Präteritum zu hören. Die Tür zum Schlafzimmer bleibt wieder geschlossen.

Die Schlafqualitiät kann somit nur noch mit dem Erwerb einer Matratze gesteigert werden, die inklusive Namen und exklusivem Narrativ dargeboten werden.

Also: noch besser schlafen, nur noch schlafen, wenn wach, dann nur noch lümmeln, der Zeit zuhören, sich selbst beim Altern zuschauen, nur noch Staub ansetzen, zentimeterdick, hin und wieder sich und die Matratze wenden, bloß, auf gar keinen Fall, sprich: nie wieder, sitzen (eh zu gefährlich)? Kein draußen. Die Augen verkleben lassen.

Oder doch bloß wieder: effizienter schlafen? Schlaf mit der Vorstellung eines besseren Aufwachens, des besseren Aufstehens? Oder aber: schlafen an sich? Luxussanierung zur Förderung von Seltenheit? Denn sie flüstern: "Wie schaffst du es, dir noch Schlaf zu gönnen?", "Es schläft doch schon seit Jahren nichts mehr", "Wann hast du zuletzt dein Handy ausgeschaltet?". Die kleine, rote Stand-by-Lampe an der Anlage sorgt nur noch in der Erinnerung für innerliche Aufregung, bis entnervt der Kippschalter in Gedanken betätigt wird (schwaches, entsättigtes Bild).

Beim Nachdenken über die Rolle des Schlafens zwischen menschlicher Notwendigkeit und letzter Festung gegen eine neoliberale Wirtschaftsethik – wer schläft, arbeitet nicht – steht sie vor dem VW-Sprinter: "Einfach oben auf die Möbel legen". Sagt er andernorts: "Erst mal auf den Boden werfen". Ausrufe des oszillierenden Individuums. Denn im Gegensatz zum Boxspringbett, das durch seine Klotzigkeit und der damit verbundenen albtraumhaften Vorstellung des Ab- und erneuten Zusammenbauens, Sesshaftigkeit kommuniziert, erleichtert die Matratze den steten Ortswechsel. Im Idealfall: gerollt.

"Der Rest kommt nach."