21 August 2018

The Conversation

1974 erschien The Conversation (dt. Der Dialog) von Francis Ford Coppola. In der Hauptrolle Gene Hackman als Überwachungsspezialist Harry Caul. Er hat den Auftrag, ein Paar zu observieren, das sich jeden Tag zur selben Zeit auf dem Union Square in San Francisco trifft. Caul soll die Unterhaltung der beiden aufzeichnen. Es gelingt ihm, und er kann sogar eine entscheidende Passage von Störgeräuschen befreien: "He’d kill us if he got the chance" ist zu hören. Caul verstrickt sich in die Ahnung, dass sein Auftraggeber die Observierten umbringen möchte und erkennt erst spät, dass es die Überwachten sind, die ein Mordkomplott gegen diesen planen. Eine Erkenntnis, die ihn selbst zum Überwachten werden lässt.

"We'll be listening", sagt eine Stimme, der Assistent des Auftraggebers, am Telefon zu Caul, der zuvor noch Saxophon spielend im Erker saß. Darauf durchsucht Caul seine vier Wände, durchwühlt Regale, überprüft Lampen, Steckdosen, Vorhänge – alles. In seinem Wahn reißt er sogar die Tapeten von den Wänden, hebelt die Dielen auf. In der letzten Sequenz sitzt er schließlich in seinem zerstörten Appartement und spielt wieder Saxophon – seinen Blues for Harry. Ob er die Wanze gefunden hat, bleibt offen. Irgendwo lauert vielleicht jemand mit einem Richtmikrofon. Der Zuschauer weiß es nicht. Harry Caul weiß es nicht.

Harry Caul hat seine Wohnung zerhackt, weil ihn jemand abhört. Niemand will bespitzelt werden. Selbst wenn nur die Gespräche in der Nachbarwohnung zu laut werden, wechselt man beschämt das Zimmer, weil die Misere schon nach drei wage verstandenen Sätzen zu deutlich ins Bild gebracht wurde. Abhören ist etwas schlechtes, das selbst im Polizeieinsatz im Zwielicht bleibt.

Am Nachmittag wird ein Buch auf dem Nebentisch in der Eisdiele entdeckt, das Gründe liefert, sämtliche Social-Media-Accounts zu löschen, ohne seine Wohnung zu zerstören. (Dennoch: "Was gibt es neues auf Netflix?" Und während des Films: "Muss ich kurz googeln".) Ich stimme Nutzungsbedingungen zu und verliere, Bürgerrechte. Jemand spricht in mein Ohr über ein altes Nokia-Telefon, denn es müsse auf ein Smartphone verzichtet werden. Schon zu oft seien die abendlichen Gesprächsthemen in der Küche am nächsten Tag in der Nachrichten-App auf Platz eins aufgetaucht. Und wieso geht der Fernseher manchmal einfach an.

Dielen, Tapeten, alles ist noch an seinem Platz. Die Lampen hängen noch. Die Steckdosen sind weiterhin intakt. Das Geschirr ist ganz. Die Vase leer. Das Handy blinkt im Nebenraum. Überall nur etwas zu viel Staub. Wespen summen.

Mein Facebook-Ordner (erstellt am 27. April 218) umfasst 107,2 MB. Geht doch noch, denke ich. Das sind 10,5 Jahre.

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