27 March 2013

Askari

»Darüber wird nicht gesprochen. Sie können über Sex ohne Weiteres reden, aber über Geld nicht. Es gibt zwei Dinge, über die man nicht reden kann: Gott oder Nicht-Gott, das ist keine Frage, da kann man drüber reden, aber das eine ist das Geld, und das andere ist die Schweizer Armee«, so Max Frisch. Es wird dennoch gefragt: nach »finanziellen Autobiografien«, nach Honoraren, Vorschüssen, Preisgeldern oder nach dem Cent pro Wort. Wenn der Autor dann doch auf eine Karriere zurückblicken kann, heißt es ganz erwartungsvoll: »Was haben Sie mit dem Geld für Ihr erstes Buch gemacht?«. Keiner fragt, woher es kam, das Geld, denn auch das war lange Zeit keine Frage.

Woher kommt also jetzt das Geld für das erste Buch, das Geld für ein Buch, für einen Roman, für eine Erzählung, für eine Geschichte »über die Reise des jungen Mahjub, der als Kindersoldat am Horn von Afrika für den deutschen Kaiser kämpft und 1929 nach Berlin übersiedelt, wo er 15 Jahre leben wird«. Von Freunden, Bekannten, Freunden-von-Freunden, und vielleicht all jenen, die bei der Idee, ein Buch, das weder Krimi, Romanze, Skandal noch Selbsthilfe ist, über Crowdfunding zu realisieren, nicht verwirrt die Augenbraue heben, weil es sich doch »nur um Text« handle und diese Polaroid-Sache oder diese Design-Arbanduhrhalterungen viel bessere Projekte waren.

Askari from ingomocek on Vimeo.

Askari auf wemakeit.

26 March 2013

Über Null

1100. Das könnte der Versuch sein, den Notruf zu wählen, wobei man sich beim Tippen der ersten Null plötzlich zum bewussten Verwählen entscheidet und den Hörer auflegt, da der Softballschläger in Erinnerung gerufen wurd. 1100 ist hier ebenfalls kein Binärcodesabschnitt, sondern die Forderung von Hannah Horvath in der Serie "Girls", die sie in der ersten Folge an ihre Eltern stellt. 1100 sind 1.100 Dollar. Der geforderte Betrag, monatlich ausgezahlt, soll, so ihr Wunsch, sie die nächsten zwei Jahre über die Runden bringen. 1.100 Dollar sind das viel zu geringe Maße der Dinge, dessen frotzelige Bescheidenheit dennoch einen entscheidenden Wert birgt: Freiraum für die Arbeit am eigenen Buch und am Ich, was so viel bedeutet wie unangepasst bleiben und nach Bushwick fahren, so lange es noch geht, sagt man sich. Es ist die Abkehr von der Lohnarbeit und somit von der Portier-, Post-, Patentamt-, und Prokuristen-, oder etwas moderner, Coffeeshop-Agentur-Romantik, die auch nur in die Idiotie des Feierabends führt. Die Bitte wird abgeschmettert.

11 February 2013

Stadtaspekte


Stadtaspekte #01 mit einem Text von Stefanie Roenneke zu einer Bilderreihe des Hamburger Fotografen Tobias Bärmann

9 February 2013

Mokka

Wenn 2016 die Produktion in den Opelwerken in Bochum eingestellt wird, braucht sich die Stadt um eines nicht zu kümmern: die Umbenennung einer Nahverkehrslinie. Als 2008 das Nokiawerk geschlossen wurde, bestand eine bittere Nachwehe darin, der »Nokiabahn« einen neuen Namen zu verleihen. Man entschied sich damals für »Glückaufbahn«. Der politische Kampf um einen Produktionsstandort und seine Folgen gipfelte in einem Bürgerwettbewerb. Bald werden es nur ein paar Haltestellen seien, die fehlen werden.

7 February 2013

The Chamber

Erik Niedling with Ingo Niermann: The Chamber

Mar 9 - Apr 13, 2013
Opening: Saturday, Mar 9, 7-10pm
Exile

1 January 2013

Ist der Kater zeitgemäß?

"All it comes down to is this: I feel like shit but look great.", stellt Patrick Batemen fest, als er nach einer durchzechten Nacht in einer Konferenz sitzt. Wenn man einem Nivea-Werbespot Glauben schenken darf, scheint es heutzutage vielen Angestellten so zu gehen. "Frisch aussehen, egal wie lang der Abend war", heißt es vielversprechend. Der Kater wird weggecremt und somit auch eine wichtige Erfahrung. Denn ein Kater entschleunigt. Ein Kater entkoppelt Geist und Körper vom Alltag. Ein Kater schärft alle Sinne auf unbekannte Weise. Alles wird neu erfahren: der Kaffee, das Brötchen, die Fasern der Decke, der Sound zu Radios, der Geruch des Anderen. Vorrausetzung ist, dass man sich ohne Scham und ohne schlechtes Gewissen dem Sein hingibt und den Kater zelebriert: mit Tee, schlechten oder guten Filmen, Erinnerungen, Gesprächen, einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Eine positive Einstellung zum Kater predigt auch Tom Hodgkinson in "Anleitung zum Müßiggang". So kommt er zu dem Schluss: "Wie bei allen Aspekten des Müßiggangs sollten wir uns dem Druck setzen, alles in unserem Leben abzulehnen, was nicht in das Paradigma des Produktiven, Vernünftigen und Arbeitssamen passt, das die Gesellschaft und wir selbst uns aufdrängen. Richtig leben zu lernen kann einschließen, dass wir lernen, den Kater zu lieben."

1 December 2012

Neue Bilderwelten

Analoge Fotografie ist manchmal besser. Sogar in der Hitze Afrikas. Denn "36 Möglichkeiten" lösen unendliches Knipsen zugunsten eines konzentrierten und aufmerksamen Aktes ab, meint Fotografin Marie Köhler. Doch sie stellt sich der Herausforderung nicht, um eine weitere Afrika-Reportage umzusetzen. Sie startet im kommenden Jahr einen Fotoworkshop mit 100 Kindern im Operndorf Afrika, Burkina Faso. Vier Monate lang soll eine analoge Kamera der stete Wegbegleiter der Kinder sein, die das Medium selbstständig kennenlernen und eigene künstlerische Strategien entwickeln sollen. Durch darauf folgende Ausstellungen soll somit eine "unverbrauchte, unvoreingenommene Perspektive auf die Lebenswirklichkeit der Burkinabé Einzug in die Prägung der europäischen Ikonographie des schwarzen Kontinentes halten". Eine Zielsetzung, die sich für Marie Köhler nach einem ersten Besuch bereits im Kleinen erfüllt hat.